Verstärkerplan: Vorlage für Grundschule und Zuhause
Kostenlose Verstärkerplan-Vorlage zum Ausdrucken — plus die drei Entscheidungen, die vor dem ersten Punkt getroffen sein müssen.
Verstärkerplan-Vorlage als PDF (A4) Kostenlos, ohne Anmeldung.
Ein Verstärkerplan ist eine schriftliche Abmachung: Für ein bestimmtes Verhalten gibt es einen Punkt, und eine bestimmte Zahl Punkte ist eine bestimmte Belohnung wert. Beides steht vorher fest und beides steht auf dem Blatt.
Der Begriff kommt aus der Verhaltenstherapie und wird in der Grundschule genauso benutzt wie zuhause. Oben findet ihr eine leere Vorlage zum Ausdrucken. Darunter steht, was vor dem ersten Punkt entschieden sein muss — daran scheitern die meisten Pläne, nicht an der Durchführung.
Verstärkerplan oder Belohnungstafel?
Die beiden werden oft in einen Topf geworfen, arbeiten aber verschieden.
Auf einer Belohnungstafel wird ein Häkchen gesetzt und bleibt stehen. Es wird nicht eingelöst. Die Tafel macht sichtbar, was ein Kind schon allein schafft — mehr will sie nicht.
Ein Verstärkerplan ist eine kleine Wirtschaft. Punkte werden gesammelt, haben einen Kurs und werden ausgegeben. Das ist aufwendiger, aber es kann etwas, das die Tafel nicht kann: ein Ziel setzen, das mehrere Tage entfernt liegt.
Häkchen zeigen. Punkte kaufen. Wer nur zeigen will, braucht keine Punkte.
Geht es euch also gar nicht um Punkte, sondern nur darum, sichtbar zu machen, was schon klappt, ist die Belohnungstafel zum Ausdrucken die einfachere Vorlage.
Die drei Entscheidungen vor dem ersten Punkt
Welches Verhalten genau
Ein Verhalten. Nicht drei. Und formuliert als das, was das Kind tun soll, nicht als das, was aufhören soll.
„Nicht mehr trödeln” ist kein Ziel, weil niemand weiß, wann es erreicht ist. „Ich setze mich nach dem Mittagessen an den Schreibtisch” ist eines — man sieht es, und das Kind sieht es auch.
Wichtig ist außerdem, dass das Ziel Verhalten beschreibt und nicht das Ergebnis. Wer die Note belohnt, belohnt etwas, das ein Kind nur zum Teil in der Hand hat. Wer das Hinsetzen belohnt, belohnt genau den Teil, den es steuern kann.
Wie viel ein Punkt wert ist
Am Anfang gibt es ihn jedes Mal, und sofort. Ein Punkt, der abends nachgetragen wird, hat mit dem Nachmittag nichts mehr zu tun — das Zentrale ADHS-Netz formuliert für Konsequenzen allgemein, dass sie „möglichst unmittelbar und regelmäßig eintreten” sollen. Für Belohnungen gilt dasselbe.
Wenn das Verhalten dann sitzt, wird es weniger wert. Was am Anfang zwei Punkte gebracht hat, bringt nach ein paar Wochen einen. Später verschwindet die Zeile ganz vom Blatt, weil die Sache einfach passiert.
In Lehrbüchern steht an dieser Stelle etwas anderes: Man solle nicht mehr jedes Mal belohnen, sondern jedes zweite, dann jedes dritte. Im Versuchsaufbau ist das richtig und wirksam. Am Küchentisch nicht — ein Kind, das mal einen Punkt bekommt und mal nicht, lernt daraus nicht „das mache ich jetzt einfach”, sondern „die Regeln haben sich geändert”. Und dann fragt es nach, jedes Mal.
Weniger Punkte sind für ein Kind nachvollziehbar. Manchmal keine sind es nicht.
Was es dafür gibt
Drei Stufen sind praktisch: etwas Kleines, das nach ein, zwei Tagen erreichbar ist, etwas Mittleres für eine halbe Woche, etwas Größeres für eine ganze. Alle drei stehen von Anfang an auf dem Blatt.
Und das Kind entscheidet selbst, wann es einlöst. Wer heute drei Punkte ausgeben kann oder bis Freitag warten, um zehn auszugeben, trifft eine echte Entscheidung — und übt dabei genau das, worum es eigentlich geht.
Ideen, die nichts kosten und trotzdem ziehen, stehen in Belohnungen für Kinder.
Was sich schlecht eignet: Süßigkeiten. Essen als Erziehungsmittel erzeugt laut Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit auf Dauer ein gestörtes Verhältnis zum Essen. Zeit und Mitbestimmung wirken genauso und kosten nichts.
Der Verstärkerplan in der Grundschule
Nach einem Verstärkerplan wird häufiger für die Schule gesucht als für zuhause — und im Klassenzimmer gelten drei zusätzliche Regeln, die am Küchentisch keine Rolle spielen.
Kürzere Abschnitte. Ein Schultag ist zu lang für eine einzige Rückmeldung. Üblich ist ein Punkt je Unterrichtsstunde oder je Tagesabschnitt. Am Ende des Tages weiß dann niemand mehr, was am Vormittag war — das Kind am wenigsten.
Der Plan gehört dem Kind, nicht der Wand. Ein Plan, den vierundzwanzig andere sehen, ist kein Plan mehr, sondern eine Bewertung vor Publikum. Er gehört in die Mappe oder auf den Tisch, nicht ans Klassenzimmerfenster.
Zuhause muss man davon wissen. Der häufigste Grund, warum ein Schulplan nach zwei Wochen einschläft, ist nicht das Kind, sondern dass die Punkte freitags nirgends eingelöst werden. Wer den Plan in der Schule führt, muss klären, wer die Belohnung gibt.
Ein ausgefüllter Verstärkerplan als Beispiel
So sieht ein Verstärkerplan für ein Kind aus, das sich schwer an die Hausaufgaben setzt. Ein Verhalten, drei Belohnungsstufen, alles vorher vereinbart.
| Das nehme ich mir vor | Punkte |
|---|---|
| Ich setze mich nach dem Mittagessen an den Schreibtisch | 1 |
| Ich fange mit der ersten Aufgabe an | 1 |
| Ich räume den Tisch wieder ab | 1 |
| Dafür gibt es | Punkte |
|---|---|
| Ich suche das Vorlesebuch aus | 3 |
| Ich bestimme das Abendessen | 8 |
| Wir machen am Samstag einen Ausflug, den ich aussuche | 15 |
Drei Punkte am Tag heißt: die kleine Belohnung ist täglich drin, die große kostet eine gute Woche. Genau dieses Verhältnis macht die Entscheidung zwischen jetzt und später überhaupt erst interessant.
Dürfen Punkte wieder weg?
Diese Frage entscheidet mehr über den Erfolg als jede andere, und sie wird unterschiedlich beantwortet.
In der Verhaltenstherapie ist der Punktabzug ein etabliertes Mittel und hat dort seinen Platz: Er wird begleitet, dosiert und mit einer Fachkraft ausgewertet.
Zuhause und im Klassenzimmer raten wir davon ab, und zwar aus einem praktischen Grund. Ein Punkt, der wieder verschwinden kann, ist kein verlässlicher Gegenwert mehr. Das Kind rechnet nicht mehr aus, was es sich verdienen kann, sondern was es verlieren könnte — und hört auf, sich auf das Blatt einzulassen.
Dazu kommt ein Befund aus der Motivationsforschung: In der bekanntesten Untersuchung zu Belohnungen war ausgerechnet die Konstruktion mit dem stärksten negativen Effekt die, bei der es nur bei vollständiger Zielerreichung etwas gab — und diese Erreichung manchmal misslang. Ein Plan, in dem Verdientes wieder verfallen kann, ist genau diese Konstruktion mit Umweg.
Verdientes bleibt verdient. Wer diesen Satz nicht halten kann, braucht keinen Plan, sondern ein Gespräch.
Wenn der Verstärkerplan nicht wirkt
Zwei Muster, zwei Ursachen. Fast immer ist es eines davon.
Das Kind sammelt, löst aber nie ein. Die Belohnungen treffen nicht. Neu aushandeln, mit dem Kind, nicht für es.
Es gibt Streit über die Punkte. Dann war das Verhalten nicht eindeutig genug beschrieben. Nicht härter durchgreifen, sondern die Formulierung schärfen, bis beide Seiten dasselbe darunter verstehen.
Den Verstärkerplan ausschleichen
Ein Verstärkerplan ist eine Anschubhilfe. Wenn er nach ein paar Monaten überflüssig geworden ist, hat er funktioniert — nicht versagt.
Das Ausschleichen geht in derselben Richtung wie der Aufbau: erst seltener Punkte, dann nur noch für den schwierigsten Teil, dann gar keine mehr. Wer den Plan von einem Tag auf den anderen abräumt, riskiert, dass das Verhalten mitgeht.
Woran ein Verstärkerplan auf Papier scheitert
Nicht am Aufstellen. Vier Dinge treten fast immer ein, und alle vier betreffen die Erwachsenen, nicht das Kind.
Das Ausdünnen wird vergessen. Es ist der wichtigste Schritt und der einzige, an den niemand erinnert. Ein Plan, der nach drei Monaten unverändert läuft, ist Tapete.
Es gibt Streit über einen einzelnen Punkt. War das jetzt geschafft oder nicht? Auf Papier entscheidet das, wer den Stift hat.
Der Punktestand liegt in der Mappe. Wer den Plan in der Schule führt, hat ihn freitags nicht dabei — und dann wird nicht eingelöst.
Die Abmachung verschiebt sich. Was zehn Punkte wert war, wird nachverhandelt, sobald niemand mehr genau weiß, was vereinbart war.
Nichts davon spricht gegen den Ausdruck. Fangt auf Papier an. Rechnet nur damit.
Papier oder App
| Im Alltag | Papier | Ritualio |
|---|---|---|
| Heute noch anfangen | ja | ja |
| Gemeinsam festlegen | ja | ja |
| Punktestand geht nicht verloren | nein | ja |
| Preise stehen fest statt neu verhandelt | nein | ja |
| Wert senken ohne neu zu drucken | nein | ja |
| Beide Elternteile sehen dasselbe | nein | ja |
| Verlauf über Wochen | nein | ja |
Die ersten beiden Zeilen sind der Grund, warum die Vorlage oben steht. Die anderen fünf sind der Grund, warum ein Plan selten das Quartal überlebt.
Zu den Kosten, weil sich das in einer Tabellenzeile nicht ehrlich sagen lässt: Der Ausdruck kostet Papier und Tinte, und mit jeder Woche ein Blatt mehr. Ritualio ist für ein Kind mit einer Routine dauerhaft kostenlos — mehr Kinder, mehr Routinen und Statistiken sind Premium.
Die vier Dinge, an denen ein Plan in Woche drei kippt, sind die vier, die Ritualio nicht hat.
Der Punktestand liegt nicht in der Mappe, sondern ist freitags da, wenn eingelöst wird. Die Preise stehen im Shop und verschieben sich nicht mitten in der Diskussion. Ausdünnen heißt einen Wert ändern, nicht ein neues Blatt drucken. Und über einen einzelnen Punkt gibt es keinen Streit: Das Kind hakt selbst ab, ihr gebt frei — mit PIN, damit es sich die Münzen nicht selbst geben kann.
Verdientes bleibt verdient. Ein verpasster Tag kostet nichts.
Häufige Fragen
Was ist ein Verstärkerplan?
Eine schriftliche Abmachung darüber, welches Verhalten wie belohnt wird. Das Kind sammelt Punkte für ein vorher festgelegtes Verhalten und tauscht sie gegen etwas ein, das ebenfalls vorher feststeht. Der Unterschied zu einer Belohnungstafel ist die Einlösung: Punkte werden ausgegeben, Häkchen bleiben einfach stehen.
Wie funktioniert ein Verstärkerplan?
In drei Schritten. Erstens: ein einziges Verhalten festlegen, positiv formuliert und am Verhalten orientiert, nicht am Ergebnis. Zweitens: bestimmen, wie oft es einen Punkt gibt — anfangs jedes Mal. Drittens: vorher festlegen, wie viele Punkte was wert sind. Alles drei gehört auf das Blatt, nicht in den Kopf.
Was ist ein Verstärkerplan in der Grundschule?
Dasselbe Prinzip, aber mit kürzeren Abständen und einem zweiten Erwachsenen im Spiel. In der Schule vergeht zwischen Verhalten und Rückmeldung schnell eine ganze Stunde, deshalb wird meist pro Unterrichtsstunde oder pro Tagesabschnitt bewertet statt einmal am Tag. Und der Plan gehört dem Kind, nicht dem Klassenzimmer — sichtbar für alle wird er zum Vergleich.
Wie bilde ich einen Verstärkerplan in einer App ab?
In Ritualio wird das Zielverhalten zu einer Routine — bei einem einzigen Verhalten eine Routine mit genau einer Aufgabe. Was sie wert ist, stellt ihr an der Routine ein und könnt es später senken. Die Belohnungsstufen stehen im Shop, den ihr vorher füllt. Eine einmalige Sache, die auf keinem Plan steht, lässt sich mit „Münzen vergeben" erledigen.
Welche Belohnung eignet sich für einen Verstärkerplan?
Am besten etwas, das nichts kostet und Zeit oder Mitbestimmung bedeutet: das Abendessen aussuchen, eine Runde ein Spiel wählen, länger vorgelesen bekommen. Drei Stufen sind praktisch — etwas Kleines für wenige Punkte, etwas Größeres für eine Woche. Süßigkeiten eignen sich schlecht, weil Essen als Erziehungsmittel auf Dauer das Verhältnis zum Essen belastet.